28Jan/16

WHO warnt vor explosionsartiger Verbreitung des Zika-Virus.

Bis zu 4 Millionen Menschen könnten weltweit infiziert werden. Zwanzig Staaten in Mittel- und Südamerika sind mittlerweile betroffen. Sechs Länder in Europa melden bereits Verdachtsfälle.

Erstmals wurde der Erreger 1947 bei einem Rhesusaffen im Zika-Forest / Uganda nachgewiesen. Übertragen wird der Erreger, einem Flavivirus (Verwandter von Dengue-, West-Nil- und Gelbfieber-Virus), von blutsaugenden Mücken wie der Gelbfiebermücke Aedes aegypti und der Asiatischen Tigermücke Aedes albopictus.
Gefährlich ist dieser Virus vor allen Dingen für infizierte Schwangere. Die Infektion kann bei den Embryonen Gehirn- und Schädelfehlbildungen verursachen. Diese selbstlimitierende (ohne äußere Einflüsse endende) Viruserkrankung, welche aus den Tropen und Subtropen stammt, wird durch den Tourismus weltweit verschleppt. Die Weltklimaerwärmung ist eine weitere Ursache dieser Pandemie.

27Jan/16

Stärkung der Entscheidungskompetenzen von Pflegekräften

Pflegekräfte sollen bestimmte Hilfsmittel verordnen dürfen

Gesundheitsstaatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU) fordert, dass die Entscheidungskompetenzen von Pflegekräften gestärkt werden sollen.

Bei einer Pressekonferenz des Stuttgarter Fachverlags Thieme am Dienstag in Berlin sprach sich Laumann dafür aus, dass Pflegekräfte zum Beispiel bestimmte Hilfsmittel für Pflegebedürftige selbständig verordnen dürfen.

Forderungen dieser Art stehen in engem Zusammenhang mit der geplanten Neuausrichtung der Pflegeberufe.

"Derzeit werde die Pflege von der Medizin, den Ärzten, Trägern und der Politik fremdbestimmt", monierte die ehemalige Präsidentin des Deutschen Pflegerats Marie-Luise Müller am Dienstag. Ergebnis daraus sei, dass "katastrophale Bedingungen" in den Kliniken herrschen. Viele Beschäftigte in der Pflege hätten innerlich bereits gekündigt. Marie-Luise Müller ruft zum "Aufstand von unten nach oben" auf.

Pflegekräfte wollen sich nicht als Hilfskräfte der Ärzte im Krankenhaus verstehen. Sie wollen auf Augenhöhe mit den Ärzten zusammenarbeiten. In Konsequenz würde dies zum Beispiel auch bedeuten, dass Pflegekräfte über die Dosierung bestimmter Medikamente mit entscheiden.

Wie ist Ihre Meinung dazu?

26Jan/16

Erste Pflegekammer in Rheinland-Pfalz

Endlich - ein historischer Augenblick!

Rheinland-Pfalz ist Vorreiter bei der Gründung einer Pflegekammer. 

Das Ziel, Aus- und Weiterbildungen, Prüfungsabnahmen und Qualitätsnormen in die Hände von Pflegefachkräften zu legen, rückt näher. Zu lange wurden und werden in Deutschland die Belange der Pflege nicht ausreichend berücksichtigt. Planerisch sind Pflegekammern unter anderem auch schon in Schleswig-Holstein und Niedersachsen auf dem Weg. Jetzt beginnen wir an die Länder USA, Großbritannien, Dänemark, Schweden etc. aufzuschließen. In diesen Ländern sind die dort installierten Pflegekammern ein großes Plus für deren Pflegekräfte. Schade, dass diese Thematik in Deutschland nicht bundesweit einheitlich geregelt werden kann.

Uwe Nieswandt

 

26Jan/16

G7-Staaten unterstützen das Gesundheitswesen von 76 Ländern

Die G7-Staaten haben sich unter anderem zum Ziel gesetzt, durch ihre Unterstützung grenzübergreifende Epidemien einzudämmen und hierzu technisches Know-How zur Verfügung zu stellen. Die Ebola-Krise in Westafrika hat zuletzt einmal mehr gezeigt, dass in vielen Staaten die Internationalen Gesundheitsvorschriften noch nicht ausreichend umgesetzt worden sind. 

Unabdingbar ist aus meiner Sicht, dass bei zukünftigen Pandemien - und mit diesen werden wir mit Sicherheit konfrontiert - nicht wieder nur einseitig Impfstoffe im Versuchsstadium getestet werden. Allerdings stellt sich die Frage, ob mit dem veranschlagten Budget für 2016 in Höhe von 4 Mio. EUR Großes bewirkt werden kann. Positiv ist jedenfalls das geplante Sonderprogramm "Afrika" der Bundesrepublik hervorzuheben, das in den Jahren 2015 und 2016 mit 205 Mio. EUR die Ausbildung von Gesundheitsfachkräften in afrikanischen Partnerländern fördert. Es bleibt zu hoffen, dass diese geplanten Gelder auch tatsächlich fließen werden.

Uwe Nieswandt

Hier der Pressebericht zu diesem Thema:

G7-Staaten sagen 76 Ländern weltweit Unterstützung zu

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: „Ein funktionierendes Gesundheitswesen vor Ort ist der beste Schutz vor Gesundheitskrisen“

MItgliederG7
Berlin, 22. Januar 2016

Die sieben führenden Industriestaaten (G7) – USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Kanada und Deutschlandhaben 76 Staaten weltweit Unterstützung bei der Stärkung ihrer Gesundheitsversorgung zugesagt. Eine Liste der Staaten wurde heute zusammen mit dem Bericht der Bundesregierung über die deutsche G7-Präsidentschaft veröffentlicht.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe:„Ein funktionierendes Gesundheitswesen ist der beste Schutz vor Gesundheitskrisen. Das hat die Ebola-Krise einmal mehr in dramatischer Weise gezeigt. Es ist gut, dass die sieben führenden Industrienationen jetzt konkrete Hilfe für 76 Staaten weltweit zugesagt haben, um die Gesundheitsversorgung vor Ort zu stärken. Damit können die G7-Beschlüsse, die im letzten Jahr im bayrischen Elmau gefasst wurden, deutlich übertroffen werden.“

Beim G7-Gipfel in Elmau hatten sich die G7-Staaten verpflichtet, mindestens 60 Staaten ihre Unterstützung bei der Implementierung der Internationalen Gesundheitsvorschriften anzubieten.  Die heute veröffentlichte Liste umfasst 75 Staaten, darunter 3 regionale Zusammenschlüsse, die beim Aufbau widerstandsfähiger Gesundheitsstrukturen unterstützt werden. Die Liste ist eine Momentaufnahme zum Ende des Jahres 2015, weitere Staaten können hinzukommen. Ein Staat (Malaysia) ist 2016 bereits hinzugekommen.

Die Internationalen Gesundheitsvorschriften (2005) sind für alle Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation verbindlich. Sie dienen dazu, eine internationale Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu verhindern und sind damit zentral für die Eindämmung grenzübergreifender Epidemien. Die Ebola-Krise in Westafrika hat zuletzt einmal mehr gezeigt, dass in vielen Staaten die Internationalen Gesundheitsvorschriften noch nicht ausreichend umgesetzt worden sind. Dafür ist technisches Know-How notwendig.

Das Bundesgesundheitsministerium wird daher gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut (RKI), dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dem Bernhard-Nocht-Institut (BNITM) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Partnerländer gezielt bei der Stärkung des Gesundheitswesens unterstützen. Dazu gehört die Ausbildung von Personal zum Management von Gesundheitskrisen in den Partnerländern. Zudem wird ein schnell einsetzbares Team aus Epidemiologen und Laborexperten des RKIund BNITM aufgebaut, um schon bei ersten Anzeichen eines Krankheitsausbruchs vor Ort bei der Diagnostik und Bekämpfung unterstützen zu können. Das Programm wird 2016 mit 4 Millionen Euro starten und ist zunächst für 5 Jahre geplant.

Die Bundesregierung investiert zudem im Rahmen des Sonderprogramms Afrika mit 205 Mio. EUR (2015 und 2016) verstärkt in die Ausbildung von Gesundheitsfachkräften in afrikanischen Partnerländern.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministerium für Gesundheit (wörtlich zitiert)

25Jan/16

Reform der Pflegeberufe

Reform der Pflegeberufe ist auf dem Weg

Die generalistische Pflegeausbildung soll kommen: Das Bundeskabinett hat jetzt den Gesetzentwurf abgenickt. Die Reform soll dazu dienen, mehr Menschen für Pflegeberufe zu begeistern. Bei Opposition, Arbeitgebern und Gewerkschaften regt sich Widerstand.

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BERLIN. Das Bundeskabinett hat den Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Pflegeberufe ins parlamentarische Verfahren weitergeleitet. Mit dem Gesetz soll eine generalistische Ausbildung eingeführt werden. Alten- und Krankenpflege sowie Kinder- und Jugendkrankenpflege sollen darin aufgehen.

Zu diesem Gesetzesentwurf werden kritische Stimmen bei den Ärzteverbänden, den Arbeitgebern in der Altenpflege, den großen Gewerkschaftsverbänden, den Oppositionsparteien, bei Pflegepolitikern der Unionsfraktion sowie auch in den Ländern laut.

"Wir bringen das Pflegeberufsgesetz in der Überzeugung auf den Weg, dass es den Pflegeberuf attraktiver macht", sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) im Anschluss an die Kabinettssitzung.

Je breiter die Entwicklungs- und Aufstiegsperspektiven angelegt würden, desto mehr erhöhe sich die Durchlässigkeit zwischen Alten- und Krankenpflege.

Ziel ist es den Altenpflegeberuf aufzuwerten

"Wir sind davon überzeugt, dass mit der Reform der Altenpflegeberuf aufgewertet wird", warb Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) für das Projekt.

Ziel der geplanten Reform ist es, mehr Menschen für die Pflegeberufe zu gewinnen.

Nachfolgend die wesentlichen Punkte des Gesetzentwurfes, der die Kosten der Pflegeausbildung von 2,4 auf mehr als 2,7 Milliarden Euro im Jahr ansteigen lässt:

  •  Einführung einer "vereinheitlichten Ausbildung" mit dem Abschluss Pflegefachfrau und -mann. Die bisherigen Berufsbilder Altenpflege, Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderpflege sollen in diesem neuen Berufsbild aufgehen, um somit fachübergreifende Kompetenzen zu schaffen.
  • Das in einigen Ländern noch übliche Schulgeld für die Altenpflegeausbildung soll gestrichen werden. Stattdessen sollen alle Auszubildenden eine angemessene Ausbildungsvergütung erhalten.
  • Ergänzend zur beruflichen Ausbildung sollen berufsqualifizierende Studiengänge eingeführt werden.

Längere Übergangsfristen sind vorgesehen

Der Kabinettsentwurf sieht deutlich längere Übergangsfristen vor. Noch bis Ende 2023 sollen das bisherige und ab 2018 das neue Ausbildungssystem parallel laufen.

Kritiker fürchten, dass durch die Reform die Zahl der Auszubildenden in der Pflege sinken wird. "Gröhe und Schwesig müssen ihr übereiltes und gefährdendes Reformvorhaben stoppen", meldete sich Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) zu Wort.

Auch die Fraktionen der Grünen und Linken im Bundestag sprachen sich gegen die Reform aus. "Schon jetzt ist absehbar, dass viele berufsspezifische Ausbildungsinhalte verloren gehen", sagte die Pflegeexpertin der Linken Pia Zimmermann.

Auf Gegenkurs zu diesem Vorhaben sind auch die Kinder- und Jugendärzte.

Bildquelle:  I-vista/pixelio.de

24Jan/16

Musik als Erinnerung – Naomi Feil

Musik als Erinnerung – Naomi Feil

14Jan/16

Reform in der Pflege: ab 2017 deutlich mehr Leistungen

Reform in der Pflege: ab 2017 deutlich mehr Leistungen

PflegereformDiese Woche stimmte das Kabinett der zweiten Stufe der Pflegereform zu, in deren Rahmen die Leistungen ab dem Jahr 2017 deutlich ausgeweitet werden sollen. Darüber hinaus wird auch das existierende System der Pflegestufen überarbeitet und umstrukturiert werden. Nach aktuellen Schätzungen sollen rund eine halbe Millionen Menschen zusätzlich von der Reform profitieren.

Vor allem für Demenzerkrankte wird sich mit der neuen Pflegereform wohl einiges ändern; ihnen werden zum ersten Mal die gleichen Leistungen zustehen wie Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung. Wurde die Pflegebedürftigkeit bisher nämlich überwiegend an der körperlichen Fitness gemessen (was in vielen Fällen zum Ausschluss von Leistungen führte), werden ab 2017 nun auch psychische Faktoren und kognitive Fähigkeiten stärker bei der Bewertung berücksichtigt. Nach Angaben der ARD würden die neuen Kriterien die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland voraussichtlich von 2,7 auf ca. 3,2 Millionen Menschen erhöhen.

Zusätzlich gilt, dass die neue Reform bei keinem der bisherigen Leistungsempfänger zu einer Verschlechterung führen wird. Der sogenannte Bestandsschutz soll gewährleisten, dass Pflegebedürftige, die bereits Leistungen beziehen, zukünftig keine Nachteile erfahren. So dürfen Personen, die sich neu begutachten lassen, auf keinen Fall in eine schlechtere Pflegestufe eingestuft werden – auch dann nicht, wenn die Ergebnisse der Begutachtung eine solche Entscheidung nahelegen würden. In diesem Fall würden also die vorherige Einstufung und die höhere Pflegestufe automatisch erhalten bleiben.

Neue, differenziertere Pflegestufen

DemenzEinen der zentralen Punkte der Pflegereform stellt die Umstrukturierung des bisherigen Pflegestufen-Systems dar: Ab 2017 wird dieses statt den bisherigen drei dann fünf verschiedene Abstufungen, die sogenannten Pflegegrade, umfassen. Allerdings wurde bisher noch nicht rechtsverbindlich festgelegt, welche Voraussetzungen für die Feststellung eines bestimmten Pflegegrads erfüllt werden müssen. Die konkreteste Beschreibung des neuen Systems liefert bisher der Abschlussbericht „Analysen für die Entwicklung von Empfehlungen zur leistungsrechtlichen Ausgestaltung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs“ des Bundesministeriums für Gesundheit. Dieser beschreibt die neuen Pflegegrade anhand von unterschiedlichen Fallbeispielen und definiert die entsprechenden Leistungsempfänger anhand ihrer Diagnosen. Im Mittelpunkt der Bewertung steht dabei vor allem der Grad der Selbstständigkeit, den die betroffenen Personen im Umgang mit den Krankheitsfolgen an den Tag legen, und aus denen im Folgenden der konkrete Grad der Pflegebedürftigkeit abgeleitet wird.

Pflegegrad 1: Dieser entspricht der bisherigen Pflegestufe 0; in diesen Pflegegrad werden Personen eingestuft, bei denen keine eingeschränkten Alltagskompetenzen festgestellt werden. Dazu zählen z.B. Personen mit mäßigen motorischen Einschränkungen, wie sie sich zum Beispiel aus Wirbelsäulen- oder Gelenkerkrankungen ergeben.

Pflegegrad 2: Im Pflegegrad 2 werden sowohl Personen mit und ohne Einschränkungen der Alltagskompetenz eingestuft. Sie entspricht am ehesten der bisherigen Pflegestufe 1. In diese Gruppe fallen zum Beispiel Pflegebedürftige mit stärker ausgeprägten Störungen des Bewegungsapparates, Personen, die an den Folgen eines Schlaganfalls leiden, Personen mit einer Demenz im Anfangsstadium oder zusätzlichen körperlichen Beeinträchtigungen.

Pflegegrad 3: entspricht am ehesten der bisherigen Pflegestufe 2. Personen, die in diesen Pflegegrad eingeordnet werden, leiden zum Beispiel unter inkompletter Lähmung von Armen und Beinen, multipler Sklerose oder Rückenmarkserkrankungen. Auch Menschen mit einer Demenzerkrankung werden dieser Gruppe zugeordnet.

Pflegegrad 4: Dem Pflegegrad 4, welcher mit der bisherigen Pflegestufe 3 verglichen werden kann, werden unter anderem Personen zugeordnet, die unter einer vollständigen Immobilität (z.B. auf Grund einer multiplen Sklerose, einer Querschnittslähmung oder einer Amputation) und kognitiven Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen, Angst oder Stimmungsschwankungen leiden, aber auch Menschen mit einer Demenz im fortgeschrittenen Stadium.

Pflegegrad 5:
In den Pflegegrad 5 werden Menschen mit Einschränkungen der Alltagskompetenz eingestuft, die zusätzlich unter einer schwerwiegenden körperlichen Beeinträchtigung leiden und als sogenannte Härtefälle gelten. In diese Gruppe fallen Personen mit einer fortgeschrittenen Demenz und körperlicher Hinfälligkeit, die z.B. steh- und gehunfähig und überwiegend bettlägerig sind.

Auch Angehörige sollen von verbesserten Leistungen profitieren

Nach Angaben der ARD verspricht die Reform aber nicht nur Verbesserungen für die Pflegebedürftigen, sondern auch für deren Angehörige, die zum Beispiel eine Besserstellung bei den Sozialbeiträgen erfahren sollen. Personen, die für die Pflege eines Angehörigen ihre berufliche Stellung aufgeben, sollen von den Pflegekassen außerdem dauerhafte Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erhalten. Darüber hinaus wird die Pflegeversicherung zukünftig wohl auch für die Zahlung von Rentenbeiträgen in die Pflicht genommen. Voraussetzung dafür ist eine mindestens zehnstündige Aufwendung für die Pflege eines Angehörigen mit dem Pflegegrad 2. Wer sich um ein Familienmitglied mit dem höchsten Pflegegrad kümmert, kann mit bis zu 100% des Beitragssatzes rechnen.

Bevor die neue Regelung offiziell in Kraft treten kann, muss über den entsprechenden Entwurf allerdings noch im Bundestag beraten werden – was nach der Sommerpause der Fall sein wird. Läuft alles nach Plan, dann wird das neue Gesetz bereits Anfang 2016 formal in Kraft treten – so bleibt genug Zeit, um alles für die Umsetzung des neue Leistungssystems im Januar 2017 vorzubereiten.

25Aug/15

Zukunft der Pflege – Pflegefachkräftemangel – quo vadis?

Pflegepersonal„Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht…“ – der berühmte Vers von Heinrich Heine, könnte heutzutage wunderbar aus dem Mund des Leiters einer Pflegeeinrichtung stammen. Deutschland fehlen nicht nur regional Ärzte, sondern flächendeckend auch Pflegekräfte.

Das wird so manchem Leiter von Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern schon schlaflose Nächte bereitet haben. Obwohl man immer häufiger bereits EU-weit sucht, finden Arbeitgeber immer seltener ausreichend Pflegekräfte für ihre Einrichtungen. Verzweifelt gehen Arbeitgeber ungewöhnliche und sehr weite Wege, um qualifiziertes Pflegepersonal zu finden. Woran liegt dieser Mangel und was müsste getan werden, um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden?

Die Zahl Pflegebedürftiger steigt

Aufgrund des demographischen Wandels ist mit einer stetigen Zunahme an Pflegebedürftigen zu rechnen. Laut Bundesministerium für Gesundheit leben heute rund 2,54 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland (Stand: 2012). Die Prognose des Ministeriums zeigt einen deutlichen Anstieg: Auf Basis einer dauerhaft konstanten altersspezifischen Pflegewahrscheinlichkeit würde die Zahl der Pflegebedürftigen in der sozialen Pflegeversicherung auf 3,22 Millionen im Jahr 2030 bzw. 4,23 Millionen im Jahr 2050 an steigen (siehe bmg.bund.de; Thema Pflegefachkräftemangel). Dies ist nur eine von zahlreichen Prognosen, die deutlich machen, dass der Gesundheitssektor großen Herausforderungen gegenüber steht.

Der Arbeitsmarkt im Bereich Pflege unter Druck

Im Mai 2014 registrierte die Bundesagentur für Arbeit im Bereich Gesundheits- und Krankenpfleger über 20 Prozent mehr offene Stellen als Bewerber zur Verfügung standen. Bei Altenpflegern waren es sogar ca. 40 Prozent. Auch auf Jobbörsen finden sich viele offene Stellenanzeigen für Pflegekräfte. Ein düsteres Bild zeichnet sich ab. Für die Zukunft malt das Wirtschaftsinstitut Prognos AG in seiner Studie “Pflegelandschaft 2030” noch dunklere Wolken an den Himmel des deutschen Arbeitsmarktes. Man befürchte gesamtwirtschaftliche Auswirkungen spätestens dann, wenn sich vorhandene Fachkräfte anderer Branchen verstärkt gezwungen sehen, ihre pflegebedürftigen Angehörigen selbst zu pflegen.

Wo soll die Reise hingehen?

Aspekte in der PflegeDie Bundesregierung versucht sich den Realitäten zu stellen. Auf ihrer Website schreibt sie: „Bereits Ende des Jahres 2012 hat die Bundesregierung mit den Bundesländern vereinbart, dass die Zahl der Ausbildungsplätze im Bereich der Altenpflege bis 2015 deutlich erhöht wird. Der Altenpflegeberuf soll attraktiver, die Möglichkeiten von Fortbildungen und Umschulungen verbessert und erleichtert werden. Damit sollen bis zu 4.000 Pflegehelferinnen und Pflegehelfer für eine weitere Qualifizierung gewonnen werden. Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt die Umschulung zur Altenpflegefachkraft durch die Finanzierung auch des dritten Umschulungsjahres.“ Doch wirken diese Maßnahmen? Aus unserer Sicht können wir bislang keine Verbesserungen feststellen.

Die Suche im Ausland – ist das die Lösung?

Schon länger versuchte die Agentur für Arbeit, Pflegekräfte im europäischen Ausland zu finden – schließlich herrscht in einigen europäischen Ländern eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Da müsste doch eine Pflegestelle in Deutschland wie gerufen kommen. Dieser Versuch scheiterte bislang. Mit der Anwerbung von Fachkräften im Ausland tun sich die hiesigen Unternehmen der Branche schwer. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, die im Juni dieses Jahres veröffentlicht wurde. Aus der Studie geht hervor, dass drei von vier Pflegebetrieben mit freien Stellen zwar die Besetzung der Stellen als schwierig bezeichnen, aber nur 16 Prozent auf Rekrutierung im Ausland setzen. Wie kann das sein?

Deutschland steht im internationalen Wettbewerb mit vielen Nationen. Pfleger Marek, Schwester Giovanna und Altenpflegerin Dimitra würden die Großmutter gerne pflegen und der weit gereisten Schwester Ling Shu zukünftig Gesellschaft leisten. Deutschland bleibt jedoch weiterhin wenig anziehend für qualifizierte ausländische Arbeitnehmer. Damit das kein Dauerzustand bleibt und das Anwerben von Pflegekräften aus dem Ausland flächendeckend und umfangreich funktionieren kann, müsste es in Deutschland jedoch zunächst zu grundsätzlichen Veränderungen kommen.

Dazu gehört zum Beispiel der Abbau des Bürokratieaufwands für ausländische Bewerber. Auch unflexible Tests zur Feststellung der Sprachkenntnisse sowie Probleme bei der Anerkennung der Qualifikationen in Deutschland machen Pflegeberufe für Ausländer in Deutschland weiterhin nicht attraktiv. Das bestätigt auch die aktuelle Bertelsmann-Studie. Der Großteil der befragten Pflegeeinrichtungen (600 wurden befragt), berichten von diesen Hürden und Schwierigkeiten. Somit sehen bislang viele Personalchefs die Lösung in einem anderen Weg, um ihre Personaldecke zu flicken: Mitarbeiter sollen weitergebildet, das Betriebsklima verbessert und der Krankenstand gesenkt werden. Viele Unternehmen wollen auch mehr ausbilden und die Option, Mitarbeiter von der Konkurrenz abzuwerben, ist für die Unternehmer noch attraktiver als im Ausland zu suchen. Doch wie lange wird das noch gut gehen?

Das Image des Pflegers: Ist Helfen out?

Altenpflege zu HauseOffensichtlich ist aber auch der Pflegeberuf selbst nicht attraktiv genug, um für junge Menschen aus Deutschland und auch Quereinsteiger aus anderen Berufszweigen als Alternative in Frage zu kommen. Pflegeberufe sind und waren in Bezug auf Bezahlung und Arbeitsbedingungen lange Zeit echte Stiefkinder. Tätigkeiten examinierter Pflegekräfte wurden nicht selten auf Zivildienstleistende und Praktikanten abgewälzt. Eine wohlhabende Gesellschaft wie die deutsche muss jedoch vielmehr anerkennen, dass qualifizierte Pflege durch motivierte Arbeitnehmer ihren Preis hat – spätestens wenn unsere Generation selbst gepflegt werden muss, wird man sich an die Versäumnisse von heute erinnern.

Gedanken von Joachim Stegger, Mitgründer von HealthCare United zur Zukunft der Pflege in Deutschland.

Über Joachim Stegger: Er ist Gründer und Entrepreneur von erfolgreichen Internet-Startups und hat 2014 zusammen mit Prof. Dr. med. Claus Bartels das medizinische Stellenportal www.healthcare-united.de ins Leben gerufen.

27Jul/15

Einblicke in die Pflege: spanische Pflegekräfte in Deutschland

Spanische PflegekräfteDie Situation ist in Deutschland in Bezug auf Pflegekräfte im ambulanten und stationären Bereich bekanntermaßen angespannt. Aus mehrerlei Gründen stagniert seit Jahren der Nachwuchs an deutschen Pflegekräften, die sich für diesen Beruf entscheiden.

Das ist einer der Hauptgründe, aus denen auch in diesem Bereich Pflegeheime, Krankenhäuser und mobile Pflegedienste auf ausländisches Pflegefachpersonal setzen. Die einen entscheiden sich für Osteuropa, die anderen für Südwesteuropa mit Spanien.

Spanische Pflegekräfte sind hier in Deutschland auch deswegen besonders gefragt, weil sie ein erstklassiges Fachwissen nachweisen können. Sie absolvieren ihre mehrjährige Ausbildung mit dem Ziel, im Spanien einen Arbeitsplatz als Krankenpfleger zum Beispiel in einem Krankenhaus zu bekommen. Erst wenn das über einen längeren Zeitraum hinweg nicht möglich ist und alle Bemühungen erfolglos bleiben, fällt die Entscheidung, im Ausland, beispielsweise in Deutschland zu arbeiten.

Unterstützt und gefördert wird das unter anderem durch die Europäische Union. Sie bietet EU-Programme mit dem Ziel einer internationalen Arbeitsvermittlung an. So werden in Spanien ganz gezielt arbeitslose Pflegekräfte für deutsche Pflegedienste angesprochen und angeworben.

Die GIP beispielsweise, Gesellschaft für medizinische Intensivpflege mbH mit Sitz in Berlin, ist auf eine außerklinische Intensivpflege fixiert. Sie benötigt dauerhaft und bundesweit qualifizierte Pflegekräfte. Das Fachpersonal von der Iberischen Halbinsel ist bestens ausgebildet, motiviert und kommt bei den Patienten ausgesprochen gut an.

Wie erfolgt die Beschäftigung?
Spanische KrankenpflegerDoch wie läuft die Anstellung genau ab und auf was muss man dabei achten? Ihr Aufenthalt beginnt nach Unterzeichnung des mehrjährigen Anstellungsvertrages mit einem Sprachkurs. Der Kursus wird aus dem EU-Programm Europäischer Sozialfond finanziert. Für die verpflichtende Teilnahme daran werden die Gastarbeiter/innen vom Dienst freigestellt.

Danach sollte natürlich eine intensive Phase der Einarbeitung erfolgen, damit sich die spanischen Mitarbeiter optimal zurechtfinden und gut in den Arbeitsalltag einsteigen können.

Trotz hoher Arbeitsbelastung durch die tägliche Stundenzahl, oder durch Arbeitszeiten am Wochenende sowie an Sonn- und Feiertagen bietet der deutsche Arbeitsmarkt den Pflegekräften gute Berufs- und ausgezeichnete Aufstiegschancen. Vor allem im Vergleich zur Arbeitsmarktsituation in Spanien.

Fazit
Was die Politik gut vorhat, wird in der Praxis weitgehend gut umgesetzt. Sicherlich gibt es generell im Bereich der Pflege noch Verbesserungsbedarf was Bezahlung und Arbetsbedingungen angeht, jedoch ist dies kein spezifisches Problem der spanische Pflegekräfte. Mittel- und langfristig gesehen profitieren alle Beteiligten und Betroffenen von der Integration qualifizierter Arbeitskräfte aus Spanien im deutschen Gesundheitssektor. Nicht zuletzt gehören dazu auch die deutschen Kranken und Pflegebedürftigen.

26Mai/15

Hauptschüler werden Servicehelfer – Neues Ausbildungsmodell hat sich bewährt

Die zweijährige Ausbildung zum Servicehelfer haben seit 2007 in Baden-Württemberg 83 Hauptschüler absolviert. Aktuell sind 39 junge Leute bei zehn Trägern mit den Profilen Hauswirtschaft in der Pflege oder Gastronomie an Kliniken in Ausbildung.

„Mit dem Servicehelfer haben wir einen in Baden-Württemberg anerkannten Ausbildungsberuf konzipiert, der schulmüde Hauptschüler praxisorientiert direkt in den ersten Arbeitsmarkt führt“, sagt Dr. Almut Satrapa-Schill, die das Projekt als Bereichsleiterin der Robert Bosch Stiftung mit initiiert hat. Als Vorstandsvorsitzende des 2013 gegründeten Caro Ass e.V., der Assistenzberufe im Sozial- und Gesundheitswesen fördert, trägt sie das Berufsbild seither in die Breite. Es soll in Baden-Württemberg bekannter und in anderen Bundesländern auch eingeführt werden.

Der Erfolg gibt ihr Recht: Landet bisher knapp die Hälfte aller Hauptschüler in Maßnahmen außerhalb des ersten Arbeitsmarktes, nicht zuletzt, weil zwei Drittel aller IHK-Berufe Hauptschüler ausschließen, erhalten 75 Prozent aller Servicehelfer am Ausbildungsende ein Stellenangebot. Ein Drittel schließt eine Ausbildung in der Pflege an oder geht in Gastronomie und Einzelhandel.

Nach dem ersten Ausbildungsjahr, in dem sie den Arbeitgeber brutto 925 Euro im Monat kosten, sind sie mit monatlich 990 Euro brutto nach Paragraph 87b als Betreuungsassistenten mit der Pflegekasse abrechenbar. Der Abschluss als Servicehelfer berechtigt zur dreijährigen Ausbildung zum Altenpfleger, die üblicherweise nur Realschülern offen steht.

„Wir hatten die Servicehelfer-Azubis zunächst als Lückenfüller für die Zivis gedacht“, räumt Werner Feil ein. Der Leiter der Else-Heydlauf-Stiftung in Stuttgart bildet aktuell sieben Servicehelfer aus. Vorausgegangen war, Aufgaben neu zu strukturieren, um Pflegekräfte von hauswirtschaftlichen Arbeiten wie Betten machen, Essen servieren oder Spüldienst zu entlasten. Solche Aufgaben wurden im Sozialdienst mit eigener Führungsstruktur im Haus gebündelt. Dazu gehört, dass die Servicehelfer den Senioren vorlesen, mit ihnen Spazieren gehen oder beim Essen helfen.

Den reduzierten schulischen Teil deckt das 1982 gegründete Bildungszentrum des Wohlfahrtswerks ab, zu dem die Else-Heydlauf-Stiftung wie 17 weitere Häuser im Südwesten gehören. Neben der Theorie über Grundlagen der Ernährung, Hygiene oder Warenlagerung stehen der Umgang mit geistigen Behinderungen oder wertschätzende Beziehungen im Lehrplan. „Breiten Raum nimmt die Persönlichkeitsentwicklung der jungen Leute ein“, sagt Ausbildungsleiterin Melanie Haumann, selbst Sozialpädagogin.

Am Uni-Klinikum Tübingen deckt diesen Part Michael Egeler ab, ein gelernter Hotelfachmann. Seine 35 Servicehelfer haben ein gastronomisches Profil, das den Patienten in der Klinik wie einen Gast im Hotel betreut: Sie nehmen den Patienten auf, tragen sein Gepäck ins Zimmer und erklären den Tagesablauf. Allein auf drei Stationen, auf denen die Servicehelfer tagesgenau An- und Abreise erfassen, spart die Zentralküche seither 80.000 Euro im Jahr für Essen, die bislang ins Leere serviert worden waren.

Hauptschüler als Azubis in der Pflege
(Eine von landesweit 83 Servicehelferinnen in Ausbildung: Georgia Kirtzali (v.l.) mit einer Bewohnerin und ihrem Chef, Werner Feil. FOTO: FROMM)

Georgia Kirtzali, die in der Else-Heydtlauf-Stiftung Servicehelferin lernt, sieht man die Dankbarkeit an. Nach nicht beendeter Hauptschule hatte die mittlerweile 20-Jährige eine Hauswirtschaftslehre abgebrochen, um ihren Abschluss nachzuholen. An der Schule erfuhr sie von dieser Möglichkeit und bewarb sich. „Alles ist hier schön und alles mache ich gerne“, schwärmt die junge Frau, die nach ihrem Abschluss eine Ausbildung zur Kinderpflegerin machen will „oder ich bleibe hier.“

Die nächste Ausbildung zum Servicehelfer, für die noch Plätze frei sind, startet am 1. Oktober. Außerdem sucht das Wohlfahrtswerk weitere Pflegeheime, Kliniken und Behinderteneinrichtungen in der Region Stuttgart, Reutlingen-Tübingen und Pforzheim als Ausbildungspartner.

Infos: www.wohlfahrtswerk.de